Chapter 1: Ein plötzliches Ende
Der Winter kam mit jeder Stunde näher. Die Bäume hatten bereits ihr Blätterkleid abgelegt und der Boden erstrahlte in satten rot und braun tönen. Es war kalt, sehr kalt. Mirko konnte sich nicht daran erinnern jemals so gefroren zu haben. Er zog den Reißverschluss seiner Jacke höher und versuchte diese möglichst geschlossen zu halten, damit er nicht friert. Er war bereits jetzt recht spät dran. Zu spät zur Schule zu kommen und das am ersten Schultag nach den Ferien schien für ihn nicht zusammenzupassen und noch war es nicht zeit ihm vom Gegenteil zu überzeugen. Obwohl er spät dran war, wollte er nicht rennen, dafür sah die Straße mit ihrem ganzen Laub zu schön aus.
Du bist ein oller Tagträumer Mirko, erklang eine Stimme in seinem Kopf. Du denkst doch nicht, dass du Marie jetzt noch triffst. Sie ist doch bestimmt seit 20 Minuten in der Schule und vergnügt sich mit ihrem Freund.
Ach ja Marie... sie war für Mirko das hübscheste Mädchen auf der ganzen Welt. Hübsch, intelligent, fleißig, immer hilfsbereit, ja sie war die Richtige in seinen Augen. Einzig Andre war ein Ärgernis. Bereits seit zwei Monaten läuft ihre Beziehung.
„Ach Marie...“, seufzte er.
„Jo, Romeo! Was macht Marie? Immer noch mit Andre zusammen,“ fragte jemand hinter ihm.
„Ach Sebastian, warum fragst du noch? Und nenn mich nicht Romeo! Ich mag diesen Namen nicht.“
Mit einem breiten Grinsen kam Sebastian auf Mirko zu. Wie immer sah Seb, wie er von allen immer genannt wird, aus, als ob er erst vor 2 Minuten aus dem Bett kam. Wahrscheinlich war dies auch der Fall. Seine Uniform war zerknittert und würde wahrscheinlich für eine Standpauke über Pflege und Ordnung sorgen. Aber das ist dieser Blondschopf ja bereits gewohnt.
„Natürlich Mirko Romeo Indert. Ich interessiere mich einfach nur für dein Liebesleben, deshalb frag ich so oft nach. Sonst kämst du ja nie in die Hufen. Mensch Romeo... Marie liebt dich. Aber du bist der Einzige, der das nicht merkt,“ kam Seb mit einem Grinsen im Gesicht näher.
Dieser Lügner. Warum sollte sie dann mit Andre ne Beziehung eingehen, überkam ihn ein Gedanke.
„Hm... vielleicht damit du eifersüchtig wirst und endlich mal die Initiative ergreifst!“
„Was zum...“
Seb konnte sich ein lachen nicht verkneifen: „Du solltest dir echt abgewöhnen laut zu denken! Jetzt mal Spaß beiseite. Hast du heute mal einen Blick in die Zeitung geworfen? Schon wieder ist ein Kind gestorben! Einfach so und angeblich von seinem besten Freund ermordet. Doch erklären wie und warum, das kann keiner.“
„Wie bitte? Schon wieder? Das wäre ja mittlerweile der vierte Fall. Was meinst du dazu,“ fragte Mirko. Seb brauchte einen Moment um seine eigene Meinung beisammen zu haben: „Meine Meinung? Mensch du hast das Wichtigste noch gar nicht gehört... Das Kind ist entkommen und niemand weiß, wo es ist. Die Eltern sollen außer sich vor Sorge sein. So sagt man sich zumindest. Naja du kennst mich was meine Meinung angeht. Ich habe keine. Sollen wir noch kurz beim Bäcker halt machen? Ich hab tierischen Hunger!“
Typisch Seb, dachte sich Mirko. Wie immer hat er nur Essen im Kopf. Kaum zu glauben was der so in sich rein stopfen kann.
„Wir kommen doch eh schon zu spät, also können wir doch in Ruhe noch was holen!“